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Neuigkeiten, Veranstaltungen & Links.

Vom Ver-Schweigen. NS-Täterschaft und -Mitläufertum in deutschen Familien und ihre transgenerationalen Folgen

Seminar zu Genealogie und Tiefenhermeneutik in den Räumen der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin |

"Im Unterschied zu den Nachkommen der Überlebenden wissen Kinder von Tätern oder Mitläufern häufig nicht, wie ihre Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus handelten. (...) wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Kollektiv der Deutschen tendenziell die Nazi-Vergangenheit verleugnet, so wird evident, dass ein innerfamiliäres Ver-Schweigen nicht notwendigerweise auffallen muss. Die Verwirrung, die Töchter und Söhne im Durchschnitt deutscher Familien erleben, bleibt daher meist unbewusst.“
— Kurt Grünberg (1997, S.17), Schweigen und Ver-Schweigen

Laut dem Multidimensionalen Erinnerungsmonitor (MEMO, 2025) werden Wissenslücken zur familiären Verstrickung in den Nationalsozialismus besonders dann erkennbar, wenn es um das direkte Umfeld und die Familie geht: Haben Opa oder Uropa sich schuldig gemacht oder die Firma, die ihnen gehört, von der NS-Zeit profitiert? Über persönliche Verstrickungen ist den meisten immer noch wenig bekannt.

Das Ver-Schweigen in Familien von NS-Tätern und Mitläufern ist selten Ausdruck bewusster Schuld. Viel häufiger handelt es sich um ein Symptom unbewältigter Abwehrmechanismen, die sich über Generationen hinweg erhalten. Dieses Seminar möchte zur Reflexion über die psychosozialen Folgen nationalsozialistischer Verstrickungen im familiären Selbstverständnis und im kollektiven Gedächtnis anregen.

Eine Besonderheit dieses Seminars liegt im methodischen Zusammenspiel von gemeinsamer Archivarbeit und hermeneutischer Gruppenreflexion. Die Teilnehmenden werden sowohl in ihrer eigenen Recherche über ihre Familiengeschichte, als auch der Reflexion darüber unterstützt. Während sich die Forschung häufig entweder auf Archivarbeit oder eine narrativ-biografische Analyse konzentriert, sollen in diesem Seminar die manifesten und latenten Dimensionen familiärer NS-Verstrickung gemeinsam erschlossen werden. Somit wird der Erkenntnisprozess über die eigene familiäre Vergangenheit letztlich selbst zum Gegenstand der Gruppenreflexion gemacht.

Das Seminar gibt eine Einführung in die Archivarbeit. Die Teilnehmenden werden dann bei der theoretischen, biografischen und emotionalen Auseinandersetzung mit ihrer individuellen Familiengeschichte begleitet. Im theoretischen Fokus steht die psychoanalytische, sozialpsychologische und biografie-soziologische Auseinandersetzung mit der intergenerationellen Weitergabe der NS-Täterschaft – mit einem besonderen Augenmerk auf das „ganz normale“ Ver-Schweigen in Familien ehemaliger Wehrmachtssoldaten und Mitläufer.

Obwohl diese Vergangenheit in vielen Familien nie explizit thematisiert wurde, hinterließ sie – wie unter anderem Gabriele Rosenthal gezeigt hat – dennoch Spuren bei den Nachfolgegenerationen. So unterscheidet Kurt Grünberg (1997, 1998) zwischen dem Schweigen der Überlebenden – als sprachloser, affektiv aufgeladener Kommunikationsverweigerung – und dem Ver-Schweigen der Täter und Mitläufer als aktiver Normalisierung und Abwehr. Jan Lohl und Angela Moré (2014) zeigen auf, wie sich unbewusste Erbschaften des Nationalsozialismus in emotionalen Deutungsmustern und dem sozialen Habitus reproduzieren – oft ohne explizite Thematisierung. Gabriele Rosenthals biografisch-narrativer Zugang (2001) verdeutlicht, wie Täterbiographien durch transgenerationale Narrative „entschärft“ oder umgedeutet werden – etwa durch die Betonung von „Pflichterfüllung“ oder „politischer Unwissenheit“.

Wie wird NS-Täterschaft oder -Mitläufertum in deutschen Familien also erinnert – oder eben nicht erinnert? Welche Formen des Ver-Schweigens haben sich in deutschen Familien etabliert, und wie wirken sie bis heute nach? Was macht das mit den Nachkommen? Und wie lassen sich eigene familiäre Verstrickungen in die NS-Zeit und ihre emotionale Dimension in der dritten Nachfolgegeneration rekonstruieren?


Termine:
Samstag der 15.11.2025
Samstag der 17.01.2026
Samstag der 07.02.2026
Jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Ort:
Stromstr. 2, 10555 Berlin
Der Raum für das Seminar wird den Teilnehmenden nach Anmeldung bekannt gegeben.

Teilnahme:
Begrenzt auf 15 Teilnehmende.

Eine Teilnahme von Externen (Studierenden sowie Berufstätigen oder anderen Interessierten) ist möglich.

Wir bitten um Anmeldung über folgendes
Anmeldeformular→

Seminarleitung:
Nora Kühnert (M.A., M.A.), Lena Sophie Glade (M.A.)

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Hitchcock in Deutschland oder wie die Nazis zu Dealern wurden

Filmscreening und Workshop im Rahmen der Veranstaltungsreihe Gibt es was zu feiern? - 10 Jahre krIPU

Die Studierendeninitiative krIPU wird 10 Jahre alt und blickt im aktuellen Sommersemester auf ebendiese 10 Jahre Schaffenszeit zurück. Wir möchten nicht nur gratulieren, sondern begehen im Rahmen der Veranstaltungsreihe auch einen gemeinsamen Abend.


27.06.2025 - Hitchcock in Deutschland oder wie die Nazis zu Dealern wurden Filmscreening von Hitchcocks Notorious/Weisses Gift und Workshop zu einem Aufsatz Sonja Wittes

Die psychoanalytische Kulturwissenschaftlerin Sonja Witte war ebenfalls Gründungsmitglied der krIPU und ist 2024, im Alter von 44 Jahren, viel zu früh nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. In ihrem Aufsatz, den wir uns an diesem Abend gemeinsam ansehen möchten, befasst sie sich am Beispiel von Hitchcocks Notorious und dessen inadäquaten deutschen Erstübersetzung aus einer psychoanalytischen Perspektive mit der Schuldabwehr in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Am 27.06. wird der Film in der IPU Berlin, Alt-Moabit 91B, Raum-01 gezeigt. In diesem Rahmen, wollen wir uns auch mit dem Aufsatz Wittes befassen, der etwas weiter unten heruntergeladen werden kann. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr, um Anmeldung per Mail an kripu(at)ipu-berlin.de wird gebeten.


Zeitnah hier zum Download verfügbar: Sonja Witte: Hitchcock in Deutschland oder wie die Nazis zu Dealern wurden. Der Versuch einer psychoanalytischen Darstellung der deutschen Schuldabwehr am Beispiel von „Notorious“→

Weitere Veranstaltungen der Reihe:
08.05.2025 - Yair Qedar: Outsider. Freud: Filmscreening and Q&A with the director (EN)

18.06.2025 - Aaron Lahl: Sex ohne Trieb? Überlegungen zum Schicksal des Sexualtriebes in Psychoanalyse und Gesellschaft

04.07.2025 - Benedikt Salfeld: ›das Grauen hatte meine Gefühle nicht abgestumpft‹. Die Kriegsreportagen Lee Millers

Weitere Infos →

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Online-Auskopplung: Antisemitismus

Soeben ist der erste Teil unserer digitalen Auskopplung zum Thema Antisemitismus erschienen und kann hier kostenlos heruntergeladen werden. Die Auskopplung ist ein Nachtrag zu unserem zweiten Heft:

Im Kontext des zweiten Heftes sprach Nora Kühnert mit dem Antisemitismusforscher Steffen Klävers. Im Interview diskutieren sie, inwiefern postkoloniale Theorien die Singularität des Holocaust infrage stellen und wie sich das in den Debatten seit dem 7. Oktober widerspiegelt.

↓ Postkoloniale Theorie, Gewalt und Antisemitismus seit dem 7. Oktober - Interview mit Steffen Klävers

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Wo kaufe ich Signorelli?

Neben dem in der GfPK-Mitgliedschaft enthaltenden Abonnement können Sie einzelne Hefte auch bei folgenden Buchhandlungen erwerben. Die Liste wird stetig aktualisiert.

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Berlin:

Bibliothek der IPU Berlin
Stromstraße 2 (2. OG), 10555 Berlin (Moabit)

b.-books
Lübbener Str. 14, 10997 Berlin (Kreuzberg)

Kisch & Co.
Oranienstraße 32, 10999 Berlin (Kreuzberg)

OH21
Oranienstraße 21, 10999 Berlin (Kreuzberg)

Schwarze Risse
Gneisenaustraße 2, 10961 Berlin (Kreuzberg)

Zur schwankenden Weltkugel
Kastanienallee 85, 10435 Berlin (Prenzlauer Berg)

Ein paar Präsenzexempläre zur Lektüre gibt es außerdem in der
ProgrammSchänke Bajszel
Emser Straße 8/9, 12051 Berlin (Neukölln)

Frankfurt am Main:

Autorenbuchhandlung Marx & Co.
Grüneburgweg 76, 60323 Frankfurt a.M.

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krIPU: "das ganze Grauen"

Unsere Freundinnen und Freunde der krIPU laden zur Veranstaltungsreihe "'das ganze Grauen' - Psychoanalytische Aufklärung nach dem 7. Oktober" ein.


Nachdem sich die Veranstaltungen der »krIPU« im Winter 2023/24 mit Antisemitismus aus psychoanalytischer Perspektive befasst haben, wird die Vortragsreihe »das ganze Grauen« dieses Vorhaben weiterführen und gleichzeitig einen Schritt zurückgehen: denn die Ereignisse des 7. Oktober und die internationalen Reaktionen darauf fordern auch ein Schockiert-Sein, Innehalten, Trauern und Aushalten im Angesicht der antisemitischen Grausamkeiten, der Unverhohlenheit und dem Lustcharakter der Taten und ihrer Befürwortung.


30.04.2024 - Martin Auerbach: »Wissen und Nicht-Wissen« – Die Schwierigkeit, traumatische Ereignisse zu (an)erkennen

28.05.2024 - Rosine J. Perelberg: The Banalization of Antisemitism

30.05.2024 - Sama Maani: »What Israelis should know about Iranians« – Die iranische Gesellschaft und der Antisemitismus des Regimes

27.06.2024 - Monika Schwarz-Friesel: Die Israelisierung des Antisemitismus: Gebildete Judenfeindschaft und ihre persuasive Affektlogik

04.07.2024 - Jan Gerber: Vortrag & Diskussion

18.07.2024 - Christine Kirchhoff: Antisemitismus und Psychoanalyse – Projektion und „kritische Selbstbesinnung“

25.07.2024 - Mahrokh Charlier: Eine narzisstische Dimension der Verlusterfahrung bei postmigrantischen Jugendlichen

tba. - Julia Christ: Gleich-Gültigkeit oder Gleichgültigkeit? Zu den Mechanismen westlicher Abwehr der sexuellen Verbrechen der Hamas am 7. Oktober

Die Vorträge finden in den Räumen der IPU Berlin statt. Weitere Infos zur Veranstaltungsreihe und der krIPU finden Sie hier.

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Videomitschnitte: Gegen den Wahn

Eine wunderbare Playlist zu den Veranstaltungen unserer Freundinnen und Freunde der krIPU findet sich nun auf YouTube. Dort können ab sofort vier der Vorträge aus unserer gemeinsamen Veranstaltungsreihe "Gegen den Wahn" abgerufen werden.

Stephan Grigat: Kritik des Antisemitismus, Theorie des Zionismus: Eine Einführung


Thorsten Fuchshuber: Antisemitismus und die Lust am Wahn


Eran Rolnik: Wer ist ein Antisemit?


Tove Soiland: Sexuelle Differenz


Auf Facebook und Instagram blickt die krIPU außerdem in einem kurzen Beitrag auf die Reihe zurück.

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Wer ist ein Antisemit? Psychoanalytische Überlegungen zu einer uralten Debatte

Ein weiterer Vortrag findet im Rahmen der Reihe "Gegen den Wahn" in Kooperation mit der krIPU statt. Der israelische Psychoanalytiker, Psychiater und Historiker Eran Rolnik geht am 01.02.2024 in den Räumen der IPU den traumähnlichen Qualitäten des Antisemitismus nach und spricht über die Ereignisse und Folgen des 7. Oktobers.

Um Anmeldung über den untenstehenden Link wird gebeten!

Wann und wo?
Donnerstag, den 1. Februar um 19 Uhr
Hörsaal 1 (3. Etage, Stromstr. 2, 10555 Berlin)

Weitere Informationen und Anmeldung →

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Gegen den Wahn

Veranstaltungsreihe der krIPU Berlin in Kooperation mit der Gesellschaft für Psychoanalyse & Kulturtheorie


Gegen den Wahn - Einführungen in Kritische Theorie und Psychoanalyse als Ideologiekritik

In Kooperation mit unseren Freundinnen und Freunden von der krIPU laden wir herzlich zur Veranstaltungsreihe "Gegen den Wahn" an der Internationalen Psychoanalytischen Universität in Berlin ein.

Psychoanalyse, die programmatisch »jeden Schein und Trug ausschließt« (Freud, 1937), ist von Anfang an mehr als nur Psychotherapie. Die methodisch vorangetriebene Versenkung ins Individuum legt unbewusste Mächte frei, von denen sich das vermeintlich autonome Ich als zutiefst abhängig erweist. In den Symptombildungen, dechiffriert als Leidensgeschichte des Subjekts, offenbart sich der ganze Irrationalismus der Kultur, unter deren Druck die Archaik der Triebe ins Unheilvolle anzuwachsen droht. Psychoanalytische »Aufklärungsarbeit« (Freud, 1911) wendet sich deshalb zugleich gegen die herrschende Moral und die ideologischen Indienstnahmen des beschädigten Trieblebens.

An diesem Punkt trifft sich Psychoanalyse mit der von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno formulierten Kritik der bürgerlichen Gesellschaft. In deren Zentrum steht die Frage, wie die abendländische Aufklärung in Nationalsozialismus und Massenvernichtung umzuschlagen vermochte. Ihnen geht es jedoch nicht um eine pauschale Verurteilung, sondern im Gegenteil, um eine Errettung von Aufklärung und einen emphatischen Bezug zur Wahrheit – darin Freud gleich, der die Autonomie des Ichs allen Widrigkeiten zum Trotz nie als Ziel analytischer Heilung aufgegeben hat. Das aufklärerische Projekt beider bleibt aktuell, solange die Bedingungen des von ihnen bestimmten Unrechts auch gegenwärtig noch fortbestehen. Seit der Shoah muss das vorrangige Objekt ideologiekritischer Bemühungen daher in der Bekämpfung gesellschaftlichen Wahns und gegenaufklärerischer Kräfte liegen, deren Inbegriff der Antisemitismus ist. Die Vorträge dieser Reihe sollen Einführungen in das damit umrissene Feld Kritischer Theorie und den ideologiekritischen Gehalt der Psychoanalyse bieten. Im Anschluss laden wir ein zur Diskussion mit unseren Gästen.

26.10.2023 Christian Voller: Was ist kritische Theorie? Eine historische Einführung
05.12.2023 Gunzelin Schmid-Noerr: Zum Verhältnis von Psychoanalyse und Kritischer Theorie

23.01.2024 Stephan Grigat: Kritik des Antisemitismus - Theorie des Zionismus: Eine Einführung
09.02.2024 Thorsten Fuchshuber: Antisemitismus und die Lust am Wahn
16.02.2024 Tove Soiland: Sexuelle Differenz - Zur zeitgenössischen Relevanz eines Paradigmas

IPU Berlin, Stromstr. 2, Hörsaal 1
Alle Vorträge beginnen um 19 Uhr.

Mehr Informationen →

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OPEN CALL: Texte

Für unsere Zeitschrift Signorelli | psychoanalyse & kulturtheorie suchen wir freie Beiträge für die kommenden Ausgaben. Als Zeitschrift für Psychoanalyse und Kulturtheorie freuen wir uns über Zusendungen mit Bezug, ob kritisch oder wohlwollend, zum Themenfeld der Psychoanalyse und ihrer Nachbardisziplinen wie etwa Kulturwissenschaft, Soziologie, Philosophie und Film- und Literaturwissenschaften. Ebenso ist es möglich klinische Beiträge oder Fallgeschichten im Rahmen der Zeitschrift zu veröffentlichen. Als Medium möchten wir Freundinnen und Freunden der Psychoanalyse, Studenten, Nachwuchswissenschaftlern, angehenden Klinikern sowie Interessierten einen Ort bieten, um ihre Überlegungen zu den oben genannten Themen in Form von Essays, Glossen und oder längeren Beiträgen zur Diskussion zu stellen.


Einreichungen werden laufend entgegengenommen. Es ist dabei kein Problem, wenn die Arbeiten noch nicht in publikationsfertiger Form eingereicht werden – wir geben gerne eine inhaltliche und formale Rückmeldung! Beiträge nehmen wir unter der E-Mail-Adresse
zeitschrift.psychoanalyse@gmail.com entgegen. Die Zitationsrichtlinie ist auf unserer Website zu finden.

Unsere Zeitschrift wird herausgegeben von der Gesellschaft für Psychoanalyse und Kulturtheorie e.V., einem noch jungen gemeinnützigen Verein zur Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie Bildung im Rahmen der Psychoanalyse und Kulturtheorie. Eines unserer Gründungsanliegen bestand dabei darin, insbesondere junge Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen dadurch zu unterstützen, dass wir ihnen mit unserer Zeitschrift eine Publikationsmöglichkeit bieten.

Wir freuen uns auf Eure Beiträge!

Mit herzlichen Grüßen

Die Redaktion Signorelli

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